Zweimal im Jahr dieselbe Frage: Ist es jetzt so weit? Beim Reifenwechsel gibt es in der Schweiz weniger Vorschriften als viele denken – dafür mehr Verantwortung. Was gilt, was sich lohnt und was bei einem Unfall auf dem Spiel steht, lesen Sie hier.
Gibt es in der Schweiz eine Winterreifenpflicht?
Nein. Anders als Deutschland oder Österreich kennt die Schweiz keine gesetzliche Winterreifenpflicht. Das heisst aber nicht, dass Sie im Januar mit Sommerreifen unbehelligt bleiben.
Artikel 29 des Strassenverkehrsgesetzes verlangt, dass Fahrzeuge nur in betriebssicherem Zustand geführt werden. Wer mit Sommerreifen auf Schnee unterwegs ist und dadurch den Verkehr behindert oder einen Unfall verursacht, verstösst dagegen. Die Folgen reichen von der Busse über die Haftung für den Schaden bis zur Kürzung der Versicherungsleistung – Kaskoversicherer können bei Grobfahrlässigkeit Leistungen kürzen, und Haftpflichtversicherer können auf Sie Rückgriff nehmen.
Die Schweiz setzt also auf Eigenverantwortung statt auf ein Datum im Gesetz. Wer das nüchtern betrachtet, wechselt.
Der richtige Zeitpunkt
Zwei Faustregeln haben sich bewährt. Die eine ist kalendarisch: «von O bis O», von Oktober bis Ostern. Die andere ist präziser und richtet sich nach der Temperatur: Sobald die Tageswerte dauerhaft unter sieben Grad liegen, ist die Gummimischung des Winterreifens im Vorteil – auch auf trockener Strasse, weil der Sommerreifen bei Kälte hart wird und der Bremsweg spürbar länger ausfällt.
Im Mittelland heisst das in der Praxis: Der Wechsel auf Winterreifen gehört in den Oktober, der Rückwechsel eher in den April als in den März. Wer im Aargau regelmässig über den Jura oder in die Zentralschweiz fährt, sollte den ersten Kälteeinbruch nicht abwarten.
Profiltiefe: das Gesetz und die Vernunft
Gesetzlich vorgeschrieben sind in der Schweiz 1,6 mm Profiltiefe – für Sommer- wie für Winterreifen. Diese Grenze markiert allerdings den Punkt, an dem der Reifen nicht mehr zugelassen ist, nicht den Punkt, an dem er noch gut funktioniert.
Für Winterreifen empfehlen wir mindestens 4 mm. Darunter verliert die Lamellenstruktur ihre Wirkung, und genau die sorgt für Grip auf Schnee und Matsch. Bei Sommerreifen liegt die vernünftige Grenze bei rund 3 mm, vor allem wegen der Aquaplaning-Gefahr auf der Autobahn.
Auch das Alter zählt: Nach etwa sechs bis acht Jahren härtet die Mischung aus, unabhängig vom Profil. Das Herstellungsdatum steht als vierstellige DOT-Nummer auf der Flanke – die ersten beiden Ziffern sind die Woche, die letzten beiden das Jahr.
Ganzjahresreifen: für wen sie taugen
Ganzjahresreifen sind ein Kompromiss, und wie jeder Kompromiss sind sie in bestimmten Situationen richtig und in anderen falsch. Für Fahrzeuge mit wenigen tausend Kilometern im Jahr, hauptsächlich im Mittelland und ohne regelmässige Bergfahrten, sind sie eine brauchbare Lösung – man spart den zweiten Satz, die Einlagerung und die Wechseltermine.
Wer viel Autobahn fährt, im Winter regelmässig in höhere Lagen muss oder Wert auf kurze Bremswege bei Nässe legt, fährt mit zwei Sätzen besser. Wir sagen Ihnen ehrlich, was zu Ihrem Fahrprofil passt – als markenunabhängige Garage haben wir keinen Grund, Ihnen etwas anderes zu empfehlen.
Wichtig für alle, die ins Ausland fahren: In Deutschland und Österreich genügt die alte M+S-Kennzeichnung seit Oktober 2024 nicht mehr. Dort zählt nur noch das Schneeflockensymbol (3PMSF) auf der Flanke.
Einlagerung: der Keller ist der falsche Ort
Reifen mögen es trocken, dunkel und kühl, und sie mögen keine Ozonquellen – ein laufender Heizungsbrenner oder ein Elektromotor in der Nähe schadet mehr als ein paar Grad zu viel. Wer den Platz nicht hat oder sich das Schleppen sparen will, lagert die Räder bei uns ein.
Unsere Reifenhalle in Rupperswil ist trocken und gesichert. Beim Wechsel prüfen wir Profil, Alter und Zustand jedes Rades und melden uns rechtzeitig, wenn ein Satz in der nächsten Saison ersetzt werden sollte – nicht erst dann, wenn Sie schon in der Werkstatt stehen und keine Wahl mehr haben.
Was wir beim Wechsel sonst noch machen
- Räder montieren und auswuchten
- Reifendruck einstellen und das RDKS-System anlernen
- Ventile prüfen und bei Bedarf ersetzen
- Profiltiefe an allen vier Rädern messen und dokumentieren
- Bremsen und Radaufhängung sichtprüfen, solange das Rad ab ist
- Auf Wunsch Achsvermessung, wenn der Verschleiss ungleichmässig ist
- Alte Reifen fachgerecht entsorgen
Der letzte Punkt lohnt sich zu erwähnen: Ungleichmässiger Abrieb ist fast immer ein Hinweis auf ein Fahrwerksproblem. Wer das früh erkennt, ersetzt einen Reifensatz seltener.
Termin frühzeitig sichern
Der erste kalte Morgen im Oktober ist in jeder Garage der Region derselbe Tag – alle rufen gleichzeitig an. Wer zwei Wochen früher plant, kommt in Ruhe dran. Für Reifenwechsel finden wir oft schon am gleichen oder nächsten Tag einen Platz; ganz sicher ist es mit Vorlauf. Wohnmobile brauchen wegen der langen Standzeiten eine eigene Betrachtung – mehr dazu beim Wohnmobilservice.